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Eingestellt am 07. März 2008 um 18:57 Uhr

Man stelle sich einmal vor:

Die Bahn hat mal wieder die Preise erhöht und die Beförderungsbedingungen geändert. Nun ist bei den Fahrgastverbänden das Maß voll, sie rufen dazu auf, das mächtige Unternehmen eine Woche lang zu boykottieren.

Tatsächlich folgen viele Bahnfahrer dem Aufruf und verzichten auf Zugfahrten und steigen auf andere Verkehrsmittel um. Und doch fahren, sehr zur Freude der Bahnaktionäre, weiterhin volle Züge durch das Land. Erst, als einige Neugierige mal durch die Waggons gehen, stellen sie fest, wer da die Fensterplätze besetzt: Täuschend echte Gummipuppen bevölkern aufgeblasen die Abteile.

Als sich diese Kunde auf der Internet-Plattform des Unternehmens verbreitet, wird die Bahn aktiv und „säubert“ die entsprechenden Foren schneller und gründlicher, als sie sonst ihre Wagen von Schmutz befreit.

So etwas gibt’s doch nicht? Doch!

Es ist allerdings nicht die Bahn, sondern eBay, dem amerikanische Blogger und Medien ein ähnliches Verhalten vorwerfen.

Anfang des Jahres kündigte die Internet-Plattform eine Reform der Preisstruktur und Bewertungsrichtlinien an. Amerikanische Großkunden, „Powerseller“, sehen darin eine wesentliche Verschlechterung der Handelsbedingungen. Um sich zu wehren oder zumindest ein Zeichen zu setzen, riefen die großen Händler dazu auf, vom 18. bis zum 25. Februar eBay zu boykottieren und keine Angebote einzustellen. Obwohl die Großen der Branche nach eigenen Angaben dem Aufruf folgten, blieb der Streik für kaufwillige eBay-Kunden auf den ersten Blick unsichtbar.

Neben den Umsatzzahlen, die der Beobachter erst dem Geschäftsbericht entnehmen kann, ist die Zahl der täglich „gelisteten“ Artikel ein wichtiges Kriterium, an dem eBay seinen Erfolg festmacht. Und eben diese Angebotszahl schien der Boykott nicht beeinflussen zu können. Volle Angebotsseiten trotz Streik, eine Nachricht, die die Aktionäre des Unternehmens eigentlich hätte beruhigen sollen.

Doch wer war es, der die durch die streikenden Powerseller gerissenen Lücken so wirkungsvoll schließen konnte? Amerikanische Blogger entdeckten bald einige Ungereimtheiten bei den so überaus aktiven „Händlern“, die mit Tausenden von Angeboten die verschiedenen Kategorien füllten. Die Groß-Anbieter schienen es nicht wirklich auf zahlende Kunden abgesehen zu haben, denn den Angeboten fehlte durchweg der „Bieten“- oder „Sofort kaufen“- Button. Auffällig war auch, dass die meisten dieser ominösen Anbieter das Kürzel „sdc“ in ihrem Nick führten.

Bericht von AuctionBytes

So schnell die „Nicht-Kaufen-Angebote“ zufälligerweise in den eBay-Listen auftauchten, so schnell wurden sie nach den Beobachtungen der Blogger-Szene zwischen dem 29. Januar und 1. März auch wieder gelöscht. Ebenso schnell verschwanden auch die Threads in der amerikanischen eBay-Community, in denen über diese Ungereimtheiten berichtet wurde.

Die Stellungnahmen der amerikanischen eBay-Sprecher trugen auch nicht unbedingt zur Erhellung bei. In sich widersprechenden Statements war von Tests, Versehen oder Irrtümern die Rede. Ähnlich verwirrende Auskünfte gab es auch für Kunden, die sich bei „Live-Help“ direkt informieren wollten.

Bericht über hunderttausende falscher Angebote und die Antwortversuche der eBay-„Live-Help“

Ob es nun die Entdeckung der „künstlich vollen Züge“, die immerwährende Diskussion über die Handels-Sicherheit, suboptimale Informationspolitik oder kritische Medienberichte waren, wer weiß schon genau, was die eBay-Aktien schließlich auf Talfahrt schickte.

An den geänderten Verkaufs- und Bewertungs-Bedingungen will man, so ein amerikanischer Ebay-Sprecher, auf jeden Fall festhalten.


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